Navigationsmenüs (Musterschule)

Pressemeldung

Zurück

21. Juni 2022 - Cloppenburg Marienschule Oberschule i.k.T.

Marienschüler setzen sich mit sozialer Ungleichheit auseinander

Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit: Der Preis unserer Welt

Was ist ein Privileg? Warum sind wir privilegiert? Was ist der Unterschied zwischen unserem Land und anderen Ländern, vielleicht die, die sich am anderen Ende der Welt befinden? Haben wir nicht alle die gleichen Regeln und Gesetze, an die wir uns halten? Wer zahlt den Preis für unseren Lebensstandard? Hatten wir einfach nur Glück?

 

Großansicht öffnen

Das Kurzprojekt „Der Preis unserer Welt“ wurde im Jahrgang 9 und 10 durchgeführt. Hier ging es darum, unser Glück zu verdeutlichen, das Glück in Deutschland geboren zu sein, aufwachsen oder leben zu dürfen. Mit unserem Leben hier können wir uns zu den wenigen privilegierten Menschen in der Welt zählen.

Um in das Thema einzutauchen, mussten zunächst einige Begriffe und Zusammen­hänge wie die Schlüsselwörter Privileg, relative und absolute Armut, meritorische Gü­ter, Gerüst des Gesundheits- und des Schulsystems geklärt werden. Diese Begriffe sind wichtig, um später die Unterschiede zwischen verschiedenen Nationen verstehen zu können. Weiter wurde über das internationale Kinderrecht gesprochen, die UN-Kin­derrechtskonvention, eine freiwillige Entscheidung fast aller Staaten, weltweit einheit­lich unter anderem gegen Kinderarbeit, -soldaten und -missbrauch vorzugehen. Die für das Kurzprojekt relevanten Artikel der UN-Kinderrechtskonvention wurden allen Schülerinnen und Schülern ausgehändigt, vorgelesen und besprochen.

Wenn man sich das so anhört, scheint es eine perfekte Harmonie auf der Welt zu geben. Alle Staaten haben unterschrieben und somit ihr Wort gegeben, dass sie auf­einander achten wollen und die Kinder dieser Welt nicht leiden müssen. Eine Harmo­nie, die von der Arbeit von U?ur Gallenku? in dem Buch „Parallel Universes of Children“ zerschmettert wird.

Wie in der Verfilmung von Edgar Allan Poes „Masque of the Red Death“ aus dem Jahr 1964 Prinz Proseperso sagt: „Hunger, Pest, Krieg, Krankheit und Tod! Sie regieren diese Welt“ („Famine, Pestilence, War, Disease and Death! They rule this world“), so zeigt sich auch in den Bildern von Gallenku?, dass die Welt voller Schmerz, Kummer und Leid ist. Die Konzeption der Bilder zeigt eine in zwei Perspektiven - oder besser Parallelen - geteilte Welt. Eine Perspektive zeigt unsere Welt, eine saubere, ordentli­che Welt, die Sicherheit und Stabilität ausstrahlt. Die zweite Perspektive zeigt die re­ale, brutale und nicht zu selten traumatische Welt, Kinder und Jugendliche aus Kriegs­gebieten, Kinderarbeit und Misshandlung. Die Bilder schockieren und wecken gleich­zeitig auf.

An dieser Stelle kommt die zentrale Fragestellung des Projekts ins Spiel: „Was ist so­ziale Ungleichheit und wie sieht sie aus? Wer zahlt den Preis unserer Welt?“ Gewiss ist das eine Welt, die von Konsum jeglicher Art, vom Verbrauch von Ressourcen bis hin zur Ausbeutung des arbeitenden Menschen (siehe deutsche Fleischindustrie in Zusammenhang mit osteuropäischen Arbeitenden) geprägt ist.

Wie oben im Text bereits erwähnt, ist das Kurzprojekt in drei Teile gegliedert. Die Welt (damit sind Afrika und Asien gemeint), Europa und Deutschland. Angekommen in Deutschland, kann man aufatmen. Hier gibt es keine absolute Armut, keine leidenden Kinder… oder doch? Zahlen aus 2019 und 2021 der bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) belegen das Gegenteil. Die Armutsgefährdungsquote 2019 zeigt:

22% aller Kinder und Jugendlichen sind von Armut gefährdet.

42,7 % aller Alleinerziehenden sind von Armut gefährdet.

30,9 % aller Paare mit drei Kindern sind von Armut gefährdet.

17,1 % aller Rentner sind von Armut gefährdet.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, wie kann es dazu kommen, dass in einem so reichen Land so eine gravierende Armut vorzufinden ist? Auf diese Frage gibt es keine direkte Antwort, viel­mehr kann man hier durch sozioökonomische Struktu­ren und soziale Theorien antworten. Den Höhepunkt des Projekts bildet der Abschluss. Schülerinnen und Schüler spenden für die Cloppenburger Tafel. Von sei­nem Taschengeld hat jede Schülerin und jeder Schüler einen Teil abgegeben. Aus dem Erlös wurden lange haltbare Lebensmittel im Supermarkt gekauft und zur Tafel in Cloppenburg gebracht. Insgesamt haben die Schülerinnen und Schüler Lebensmittel für 254,66 € an die Tafel in Cloppenburg gespendet.