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14. Februar 2015 - Vechta

Coole Erfahrungen für Zehnt-Klässer

Compassion-Projekt gewährt Schülern Einblicke in soziales Leben

Vierzehn Jungen und Mädchen der zehnten Jahrgangsstufe der katholischen Ludgerus-Schule gewannen im Rahmen eines Schulsozialprojekts Einblicke in den Alltag sozialer Berufsgruppen und das Leben von Menschen, die mit altersbedingten, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen klar kommen müssen. Eine Woche hospitierten sie in Einrichtungen wie dem Andreaswerk, der Elisabethschule, im Haus Teresa, im Aphasiezentrum in Langförden und am Sonnenhof in Deindrup.

14 Schülerinnen und Schüler der Ludgerus-Schule nahmen am Sozialprojekt Compassion teil.

Die diesjährigen Compassion-Teilnehmer mit Schulseelsorgerin Dr. Gabriele Lachner (ganz hinten), Pastoralreferent Peter Havers (vorne rechts) und Kerstin Ahrling vom BDKJ (hinten 2.v.r.).

In einer Reflexionsrunde berichteten sie am vergangenen Freitag über das Erlebte und ihre Eindrücke. Neben Mitgefühl und Mitleidenschaft, die sie im Sinn des Wortes „Compassion“ entwickelt hatten, haben sie auch viele coole Erfahrungen gemacht, erzählten sie.

Es müssen nicht unbedingt immer so spannende Geschichten sein, wie sie Doan und Jannes im Haus Teresa mit einem alten Bewohner erlebt hatten. Der ehemalige U-Boot-Fahrer hat im 2. Weltkrieg viel erlebt, mehrere Abschüsse von feindlichen Schiffen, aufregende Landgänge in fremden Ländern, Tod und Verderben. So etwas aus erster Hand zu hören ist schon selten. Komisch war es für die 16-jährigen Hospitanten sich vorzustellen, dass dieser alte Mann damals nur drei Jahre älter war als sie jetzt.
Es habe ihr Spaß gemacht, täglich die Freude der Kinder zu erleben, erzählte ihre Mitschülerin Paula. Die Woche hatte sie sich für das Frühförderwerk des Andreaswerkes gemeldet. Die Einrichtung kennt sie von klein auf an, ihre Mutter arbeitet dort. Die Erfahrungen haben sie ins Grübeln darüber gebracht, was sie später beruflich machen wolle. Sie schwankt noch zwischen dem sozialen und wirtschaftlichen Feld. Auch eine Laufbahn bei der Polizei würde sie reizen.

Dass Erwachsene mit Sprachstörungen nach einem Schlaganfall nicht wie Kinder zu behandeln seien, hat Ibrahim im Aphasiezentrum schnell gemerkt. Als Neuling spricht man zwar automatisch langsamer, doch man solle normal mit ihnen reden, lernte er. Die kurze Zeit in dem Haus reichte, um erste Beziehungen mit Bewohnern aufzubauen. „Nach einem Gottesdienst hat mir eine alte Frau gesagt, sie möchte gerne von mir im Rollstuhl hochgefahren werden. Nur von mir!“, sagte Ibrahim voller Stolz. Die Woche dort habe sich voll gelohnt, er würde es seinen Mitschülern weiterempfehlen. Ein sozialer Beruf? „Mal sehen, kann ich mir vorstellen“. Ähnliche Erfahrungen machten auch die anderen Teilnehmer. Nicht, dass jetzt alle soziale Berufe anstreben. Die Woche kann schließlich auch dazu dienen, genau das Gegenteil als sinnvoll zu erkennen.   

Zum fünften Mal hatte Schulseelsorgerin Gabriele Lachner mit Unterstützung ihrer Schulleitung das Compassion-Projekt organisiert.  Es steht in Verbindung mit dem Schul-Leitbild: „Weil du so wertvoll bist ..“. Und das, sagte Lachner, gelte das nicht nur für junge, gesunde und leistungsfähige Menschen. Die Schülerinnen und Schülern sollten Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen bekommen und für deren Probleme und Bedürfnisse sensibilisiert werden. „Denn als Christen wissen wir: Gott begegnet uns in jedem Menschen“. Seit November hatte sie mit Hilfe von Kerstin Ahrling vom Bund der Deutscher Katholischen Jugend (BDKJ) und Pastoralreferent Peter Havers ihre Schüler im Religionsunterricht auf die Woche vorbereitet. In alle 10. Klassen luden sie Eltern ein, die ein Kind mit Behinderung groß gezogen haben oder derzeit großziehen, und ließen sie von ihren Leben berichten.

Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig, doch eine gute Motivation ist dafür notwendig. Denn die Projektschüler/innen müssen sich täglich über den verpassten Unterrichtsstoff erkundigen und alle schulischen Aufgaben erledigen. Das gilt auch für Klassenarbeiten und andere Tests. Und doch, die Sozialwoche erledigten alle mit Bravour. „Ich bin danach noch nie von so vielen Einrichtungen darauf angesprochen worden, wie toll unserer Schüler und Schülerinnen mitgemacht haben“, gab Lachner ein Lob an die Jugendlichen weiter.

Ludger Heuer/ Pressestelle Bischöflich Münstersches Offizialat