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14. Februar 2017 - Oldenburg

Eine Frage der Tiefe

Oldenburger Schulräte lassen sich Mehrwert des Religionsunterrichts erklären

Referent vor Publikum

Pfarrer Dr. Marc Röbel sprach vor den Oldenburger Schulräten über den Mehrwert des Religionsunterrichts.

Einmal im Jahr trifft sich auf Einladung des Bischöflich Münsterschen Offizialates und der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Oldenburg die Oldenburger Schulrätekonferenz. Die diesjährige Tagung fand gestern mit 30 Teilnehmern im St. Antoniushaus statt. Unter ihnen waren kirchliche Schulräte, Fachberater beider Religionen, Vertreter der Universität Oldenburg und des Studienseminars Vechta, Dezernenten der Landeschulbehörde in Osnabrück und Vertreter der St. Benedikt Schulstiftung. Als Hauptreferenten hatte die Runde Dr. Marc Röbel von der Katholischen Akademie Stapelfeld eingeladen. Röbel, der sich als Priester und Philosoph vorstellte, sprach über den Mehrwert des Religionsunterrichts aus philosophischer Sicht.  

Obwohl viele Philosophen Religionen kritisch gegenüber stünden, würden sich im Religionsunterricht Religion und Philosophie stark verbinden, sagte Röbel. So plädiere der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger (geb. 1958) dafür, Meditationsunterricht in einen weltanschaulich neutralen Raum zu legen und ihn nicht von Religionslehrern abhalten zu lassen. Metzingers Begriff des in der Schule nötigen Aufmerksamkeitsmanagements griff Röbel mehrfach auf. „Aufmerksamkeit braucht Schulung und Schule braucht Aufmerksamkeit.“ Den Mehr-Wert des Religionsunterrichtes sehe er vor allem in einer intensiven und tiefen Beschäftigung mit dem Leben, meinte Röbel. Religionsunterricht könnte viel beitragen zu einer Kultur der Aufmerksamkeit.

„Unsere Schülerinnen und Schüler sind nicht aufgeklärter als frühere Generationen. Sie halten sich nur für aufgeklärter, da Informationen jederzeit verfügbar sind“, erklärte Röbel. Statt „Ich denke, also bin ich“ gelte heute: „Ich google, also bin ich.“ Der Philosoph Jürgen Habermas (geb. 1929) habe gesagt, Religionen müssten Heilige Schriften und religiöse Überlieferungen wachhalten. Denn eine Zivilgesellschaft könnte von ihnen viel erfahren über das Wissen von Gut und Böse und den Sinn des Lebens. „Säkulare Mehrheiten dürfen keine Beschlüsse fassen, bevor sie nicht dem Einspruch von religiösen Opponenten Gehör geschenkt haben. Sie müssen diesen Einspruch als eine Art aufschiebendes Veto betrachten, um zu prüfen, was sie selbst daraus lernen können“, zitierte Röbel den bekannten Frankfurter Philosophen. Religionsgemeinschaften, so Habermas weiter, könnten in die Gesellschaft „hinreichend differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten und Sensibilitäten für verfehltes Leben, für gesellschaftliche Pathologien, für das Misslingen individueller Lebensentwürfe und die Deformation entstellter Lebenszusammenhänge“ einbringen. Kinder und junge Menschen bräuchten Werte, die ihnen am besten der Religionsunterricht vermitteln könne. 

Gott sei Partner unserer intimsten Selbstgespräche, zitierte Röbel den jüdischen Philosophen Viktor Frankl (1905-1997). Und damit solle man die Kinder nicht alleine lassen. Der deutsch-amerikanische Philosoph und Theologe Paul Tillich (1886-1965) habe gemahnt, fromme Floskeln im Religionsunterricht ebenso zu vermeiden wie Antworten auf Fragen, die niemand gestellt habe. Der einfache Arbeiter, der den Sinn seiner Arbeit hinterfrage, würde näher an die Tiefe des Lebens kommen als der Gelehrte, der viele wichtige Bücher liest, ohne sie zu verstehen oder ihren Inhalt aufzunehmen.

Soziale Themen seien wichtig, doch Religionsunterricht dürfe nicht zum Sozialkundeunterricht verkommen, machte Röbel klar. Junge Menschen müssten hier an die Frage nach der Tiefe herangeführt werden, das sei für ihn eine Schlüsselkompetenz des Religionsunterrichts. Und wenn es das Kreuz in Klassenzimmern nicht mehr gäbe, würde eine Antwort verloren gehen auf eine zentrale menschliche Frage: „Wie gehen wir eigentlich um mit dem Leid?“ Das Kreuz sei für ihn eine Ikone der Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit, und das nicht nur gegenüber Menschen aus dem eigenen Lebensumfeld. 

Ludger Heuer, Pressestelle des Bischöflich Münsterschen Offizialates