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06. Februar 2014 - Vechta

Eintauchen in eine andere Welt

Schüler der Ludgerusschule absolvieren Sozialpraktikum

Eine Woche Mitarbeit in einer Sozialeinrichtung - für Zehntklässler ergeben sich dabei viele neue Eindrücke. Die Welt der Altenheime, Sozialstationen, Krankenhäuser, Förderschulen oder Spezialeinrichtungen wie ein Aphasiezentrum oder ein Hospiz – woher sollten sie sie kennen?

Eine Schülerin füttert eine andere, welche mit einem Tuch blind gemacht wurde.

Vertrauen und Feingefühl sind nötig, wenn man sich mit verbundenen Augen über eine unbekannte Strecke führen lassen oder einer gegenüber sitzenden Person den Löffel in den Mund stecken will. Pastoralreferent Manfred Quatmann bringt es den Mädchen spielerisch bei.

Leben und arbeiten oder werden hier betreut doch viele Menschen, denen man als Jugendlicher sonst nicht begegnet. Unter dem Titel „Compassion (= Mitgefühl/Mitempfinden) - weil Du so wertvoll bist“, bietet die katholische Oberschule Ludgerusschule seit drei Jahren ihren Zehntklässlern genau diese Erfahrungen an. Fünfzehn Einrichtungen in Vechta, Dinklage und Wildeshausen stellen dafür Plätze zur Verfügung. 36 Jugendliche haben sich in diesem Jahr für das Projekt gemeldet. Betreut werden sie von Thomas Schmitz, BDKJ-Referent im Bischöflich Münsterschen Offizialat, und den Pastoralreferenten Peter Havers (Vechta) und Manfred Quatmann (Langförden).

An zwei Nachmittagen treffen sich die Betreuer mit ihren Schützlingen im Pfarrheim Maria Frieden. Bei einer Übung fordert Manfred Quatmann sie auf, sich gegenseitig über einen unbekannten Hindernisparcours zu führen. Die Schwierigkeit dabei: immer ein Mädchen hat die Augen verbunden. Eine andere Übung: Gegenseitig Joghurt in den Mund geben, wobei das Mädchen mit dem Löffel erneut die Augen verbunden hat. Was spielerisch wirkt und Spaß macht, hat doch einen konkreten Hintergrund: Quatmann will bei den Mädchen Verständnis wecken für die Situation der Menschen, denen sie in ihrem Praktikum begegnen. „Ihr müsst gut für sie sorgen, da sie nicht mehr sehen. Passt auf, dass sie sich nicht verletzten. Sie brauchen Eure Hilfe."

„Dadurch, dass die Jugendlichen die Perspektive wechseln, erfahren sie die oft ganz andere Lebenswirklichkeit der Betroffenen. Sie erleben Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen als Menschen wie du und ich und lernen ihre Würde und ihren Wert schätzen,“ erlebt es die kath. Religionspädagogin Dr. Gabriele Lachner immer wieder. Zusammen mit ihrer evangelischen Kollegin Christiane Menninga hatte sie im Religionsunterricht für das Projekt geworben. Während der Projektwoche besuchen sie alle Schüler an ihren Einsatzorten.

Die Eindrücke der Jugendlichen bestätigen diese Projektintention. „Nix geschnallt“ habe sie zwar bei einem ersten Gespräch mit Ärzten, gesteht die sechzehnjährige Carola Honkomp aus Langfördern, die in der Krankenhausseelsorge in Vechta mitarbeitet, doch der Kontakt mit den Patienten macht ihr viel Spaß. Auch für ihre Mitschülerin Betül Noyan, die auf einen Tipp ihrer Tante in das Langfördener Aphasiezentrum gegangen ist, ist alles neu. Doch es gefällt ihr sehr gut und sie würde es jederzeit wieder machen. Nicole Tomas, die sich das Förderzentrum Elisabeth-Schule ausgesucht hat, hatte vorher noch nie Kontakt zu Kindern mit solchen Lernschwierigkeiten. „Am Anfang war es etwas unheimlich,“ gesteht sie. Doch schon nach wenigen Tagen merkte sie, dass der Ton hier freundschaftlicher und fröhlicher ist als an ihrer Schule und niemand ausgegrenzt wird. So viele alte Menschen auf einmal waren auch für Marlen Bokop gewöhnungsbedürftig. Noch dazu sind die meisten Bewohner ihrer Praxisstelle Hedwigstift dement. Dass eine alte Frau vierzig Minuten gebraucht habe, um eine Scheibe Brot zu essen, hatte sie zuerst überrascht. Doch Spaß hat sie dort auch. „Eine 93jährige Bewohnerin lädt mich immer zum Kaffee ein.“

An diese Erlebnisse werden sich die vier Mädchen später gerne wieder erinnern. Drei von ihnen wollen einen sozialen Beruf ergreifen – als Kinderkrankenschwester, als Therapeutin und als Pastoralreferentin.

Ludger Heuer/ Pressestelle Bischöflich Münstersches Offizialat