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21. April 2020 - Cloppenburg

Farbe und Muster sind egal

Marienschule näht Masken für alle Schüler und Lehrer

Jeden Morgen um 8.30 Uhr das gleiche Ritual. Vermummte Gestalten setzten sich an Nähmaschinen, andere Vermummte an Schnittmuster, weitere überprüfen die Nähte oder bügeln Stoff. Zwischen ihren Beinen wuselt Lissy, eine Mischung aus einem Deutsch-Drahthaar und Jack-Russell Terrier, herum und fordert mit Nachdruck ihre Streicheleinheiten ein. Was aussieht wie die Herstellung von Equipment für einen Banküberfall oder einen großen Faschingszug, spielt sich in mehreren Klassenräumen der Marienschule ab. Und trotz guter Stimmung näht die Gruppe nicht für ein Freizeitvergnügen, sondern für einen nützlichen Zweck, denn am Ende der kleinen Produktionsketten stapeln sich Mundschutze für die Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte der kirchlichen Oberschule.

Blick in die Nähstube

Blick in die Nähstube

Christine Plitzko und Simone Hegger-Flatken

Christine Plitzko (l.) und Schulleiterin Simone Hegger-Flatken (r.) organisieren die Nähaktion

Betttücher zu Masken

Alte Betttücher können hervorragend zu Masken umgearbeitet werden, erklärt Christine Plitzko

Blick in die Nähstube

Bei den Schulen der bischöflichen Schulstiftung St. Benedikt herrscht, wenn den Unterricht demnächst wiederaufgenommen wird, für jeden, der sich im Gebäude bewegt, Maskenpflicht, erklärt es Schulleiterin Simone Hegger-Flatken. „Die nähen wir uns hier selbst“, beschloss die Schulleitung letzte Woche.

Innerhalb kürzester Zeit war alles organisiert. Unter Leitung von Christine Plitzko hat sich eine fünfzehnköpfige Gruppe gefunden, die jetzt jeden Tag Masken näht. Angefangen hatte es mit den Mensakräften, nach einem Facebook-Aufruf der Schulleiterin meldeten sich auch Mitglieder des Kollegiums, der Elternschaft und einige Schüler. Einer von ihnen ist Tim. Dem Neuntklässler kommt jetzt zugute, dass er im Wahlpflichtkurs Textil schon gelernt hatte, mit Nähmaschinen umzugehen. Mundschutznähen ist ihm allerdings neu. Seine Mitschülerin Paula aus der 8. Klasse steht am Bügelbrett und geht gekonnt mit dem Eisen um. „Das mache ich zu Hause auch oft“, sagt sie. Auch für Ungelernte gibt es Arbeit. Marcel Wolf, im richtigen Leben Lehrer für Sport und Englisch, arbeitet die Nähte aus. „Im Nähen bin ich normalerweise nicht so drin“, lacht er. Zur Aktion hat er sich trotzdem sofort gemeldet. „So wird Schule wieder persönlicher. Das finde ich super.“  

Zehn Nähmaschinen hat die Schule. Christine Plitzko, eigentlich Fachlehrerin für Deutsch und Englisch, kommt jetzt ihre erste Ausbildung zur Schneiderin zugute. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch mal gebrauchen kann, aber für irgendwas ist es doch immer gut“, lacht sie. Die Schablone für das Schnittmuster hat sie selbst entwickelt. Stoff und große Mengen an Gummiband konnte sie noch kaufen. Doch über Stoffspenden aus Baumwolle freut sie sich immer. „Hauptsache, der Stoff ist bei 60 Grad waschbar.“ Man kann dafür alte Gardinen oder Bettwäsche nehmen. Farbe und Muster sind egal. Je bunter, umso witziger. „Und sollte uns das Gummiband ausgehen, schneiden wir aus den Stoffbahnen lange Schnüre zum Zubinden hinter dem Kopf.“ Vielleicht sind Schnüre sogar besser als Gummis, die biegen auf Dauer die Ohren um. „Aber das sieht man bald nicht mehr wegen unserer langen Haare“, witzelt Hegger-Flatken. Einer ihrer Kollegen hat in dem Fall Pech. Er trägt Glatze.  

Zwanzig Minuten Produktionszeit braucht eine Maske. Wenn am kommenden Montag die zehnten Klassen und einige der Neuntklässler, die sich auf ihren Abschluss vorbereiten, in die Schule kommen, müssen ca. zweihundert Masken fertig sein. Für jeden zwei Stück. „Das müssten wir hinbekommen“, meint Plitzko. Um aber alle Schüler und Lehrer vorschriftsmäßig ausstatten zu können, bräuchten sie ca. 1.300. „Das schaffen wir wohl nur, wenn wir noch mehr Unterstützung von Eltern und Kollegen bekommen, die zuhause nähen“, sagt sie. Noch mehr Home-Office.  

Bis es soweit ist, rattern in der Marienschule fleißig die Nähmaschinen. Parallel dazu hat die Schulleitung einen detaillierten Hygieneplan erstellt. Er definiert, welche Ein- und Ausgänge jede Klasse benutzt, welche Klassenräume, Toiletten und Pausenräume. Hauptsache alles getrennt. Dazu werden Desinfektionsspender im ganzen Schulgebäude verteilt. Um jeden Klassenraum damit auszustatten – dazu wird es nicht genug geben, weiß Hegger-Flatken. „Wir haben aber den großen Vorteil, dass wir über eigenes Reinigungspersonal verfügen“, sagt sie. Am Ende des Besuchs nimmt sie ihre Maske wieder ab. „Auf Dauer wird es doch ganz schön warm darunter“, stöhnt sie leicht. Aber ihr Gesicht strahlt. „Ich bin echt stolz auf alle, die mitmachen. So eine Aktion zeigt den Geist unserer Schulgemeinschaft.“

Ludger Heuer