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22. November 2013 - Vechta

Goldstück wechselt Träger

Großer Festakt Übergabe der Liebfrauenschule in Vechta: Was in ärmlichen Verhältnissen, mit viel Widerständen der Bevölkerung und großen Vorbehalten der Kirchenverwaltung als höhere Töchterschule mit Pensionat begann, ist längst zu einem Aushängeschild der niedersächsischen Bildungslandschaft geworden.

Gruppenbild vor der Schule, Großansicht öffnen

v.l. Schulleiter Johannes Funken, Weihbischof Heinrich Timmerevers, Provinzoberin Anneliese Stelzmann und Heribert Mählmann, Geschäftsführer der Liebfrauenschule Vechta gGmbH.

In dieser Bewertung waren sich heute beim Festakt zu Übergabe der Schule von der Schwesternkongregation an die Liebfrauenschule Vechta gGmbh, deren alleiniger Gesellschafter bisher das Bischöflich Münstersche Offizialat ist, alle Redner einig.

„Wir sind sehr betrübt über den Rückzug der Schwestern, freuen uns aber über den Fortbestand unter dem Dach des Offizialates,“ sagte Schulleiter Oberstudiendirektor Johannes Funken zur Eröffnung der Feier. Unter seinen zahlreichen Gästen waren neben Vertretern der Kirche und Schulbehörde auch viele Schulleiter der Region. „Es ist unser aller Anliegen, diese Schule als älteste der Kongregation im Geist der Schwestern weiterzuführen.“ „Die Schwestern genießen hier eine außerordentlich hohe Wertschätzung.“ Die Schule verstehe sich nicht wie staatlichen Sprachgebrauch üblich als staatlich anerkannte Ersatzschule, sondern als freie Schule mit christlichem Profil.

Die Personalsituation der Kongregation erzwinge den Rückzug, bedauerte Provinzoberin Anneliese Stelzmann. Bis auf eine Schule hat ihre Kongregation inzwischen alle abgegeben. Ausführlich beschrieb sie die Schwierigkeiten der 1850er Jahre, die die Schule zweimal bis an den Ran des Abgrunds gebracht habe. Der damalige Offizial Engelbert Reißmann hatte die Schwestern um den Aufbau der Schule gebeten. Im September 1856 waren die ersten Schwestern gekommen, wenige Wochen später nahmen sie den Unterricht auf. Als ihre Kongregation im Zuge des Kulturkampfes aus Preußen vertrieben wurde, wanderten viele Schwestern in die USA aus. Innerhalb Deutschlands bot ihnen nur die Niederlassung im oldenburgischen Vechta ein preußensicheres Asyl. Aus diesem Grund wurde die hiesige Niederlassung 1882 für einige Jahre deutsches Provinzhaus. In den 1920er Jahren wurde die Schule zum Gymnasium erhoben und mit einer höheren Handelsschule ergänzt. Heute ist sie neben einer Schule in Papenburg das einzige Mädchengymnasium in Niedersachsen. Die Bezeichnung „Goldstück“ sei nicht zu hoch gegriffen, zeigte sich Sr. Anneliese überzeugt.

Weihbischof Heinrich Timmerevers bezeichnete es als Erfolgsgeschichte, was hier 1859 begonnen hatte. Die Schule habe sich von Anfang an als Antwort auf soziale Missstände verstanden. „Lehret, was immer sie für ihr Leben brauchen.“ Dieser Auftrag der Gründerin der Kongregation Julie Billiart an die Schwestern gelte noch heute. Er versprach, dass die Schule als bischöfliche Einrichtung die Tradition der Schwestern fortsetzen würde. „Unser Land braucht kirchliche Schulen, in den die Schüler und Schülerinnen nach Überzeugungen und Wertvorstellungen der katholischen Kirche erzogen und geprägt werden,“ betonte der Weihbischof unter spontanem Applaus der Zuhörer. „Den Schwestern sowie den zahllosen Männern und Frauen, die in den vergangenen über 150 Jahren dieser Schule ein Gesicht geschenkt habe, spreche ich meinen besonderen Dank und Anerkennung aus.“

Es seien lange und zähe Verhandlungen für die Übernahme nötig gewesen, resümierte Heribert Mählmann, Geschäftsführer der Liebfrauenschule Vechta gGmbH. „Eine Einrichtung dieser Größe zu übernehmen ist keine Selbstverständlichkeit.“ Er dankte Weihbischof Timmerevers für den nötigen Mut hierfür. Und er dankte dem Landkreis, der die Schule immer wohlwollend unterstützt habe. „Für die Zukunft brauchen wir Zeit, wir brauchen Geduld und wir brauchen das Geld um die Geduld bezahlen zu können.“

Landrat Albert Focke versprach, die Schule weiterhin wohlwollend zu unterstützen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Region so eine Schule braucht.“ Das bestätigte ihm Christoph Schüring, Dezernent der  Landesschulbehörde in Osnabrück. „Das Land braucht katholische Schule,“ unterstützte er die Forderung des Weihbischofs und drückte ihm seinen Respekt und Dank für die Weiterführung der Schule aus. „Die Schwestern haben hier großen Reichtum hinterlassen,“ meinte Heike Thies, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft freie Schule in Niedersachsen. „Nicht als Geld, aber an Werten und Bildung.“

Ludger Heuer, Pressesprecher Bischöflich Münstersches Offizialat