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11. Dezember 2014 - Stapelfeld

Mut zur Vielfalt

Kirchlicher Schulkongress diskutiert Formen guter Schülerförderung

240 Lehrkräfte kirchlicher Oberschulen aus dem Oldenburger Land, dem Bistum Osnabrück, aus Hamburg, Magdeburg, Schwerin und Münster diskutierten in dieser Woche in der katholischen Akademie über Möglichkeiten optimaler Schülerförderung.

Eröffnungsvortrag auf Kongress

Der Pädagoge Wolfgang Endres hielt den Eröffnungsvortrag auf dem Schulkongress.

Anregungen dafür bekamen sie in zwei Hauptvorträgen und acht Foren. Eingeladen zu dem ganztägigen Kongress hatten die Bischöfliche Förderstiftung „Zukunft durch Bildung“ und die Schulabteilung des Bischöflich Münsterschen Offizialats. „Um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir in Deutschland kreative, vernetzungsfähige und phantasievolle Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, betonte Lutz Stratmann, Kuratoriumsvorsitzender der Förderstiftung, in seiner Begrüßung. Auch Prälat Peter Kossen rief die Lehrkräfte dazu auf, Vielfalt als Geschenk und Herausforderung bei Lernenden und Lehrenden zuzulassen. Die Qualität einer Schule stehe vor allem dann auf dem Prüfstand, wenn es darum gehe, sich um die Schwachen zu kümmern. Die positive Bestätigung eines Menschen trage maßgeblich zu dessen guter Entwicklung bei. Nicht umsonst hätten sich die kirchlichen Oberschulen im Oldenburger Land dem Leitsatz „Weil Du so wertvoll bist“ verschrieben.

Welche atmosphärischen Bedingungen im Klassenzimmer das Lernen erleichtern können und  wie Lehrer und Schüler gemeinsam ein solches lernförderndes Klima bewahren können, darüber sprach der Pädagoge Wolfgang Endres vom Studienhaus St. Blasien (Schwarzwald) in seinem Eröffnungsvortrag. Dazu stellte er Ergebnisse einer weltweit angelegten und 2013 veröffentlichten Studie über die Effizienz begleitender Unterrichtsformen vor. Der australische Erziehungswissenschaftler John Hattie kann darin nachweisen, dass Elemente wie der offene Unterricht, die Leistungsgruppierung, web-basiertes Lernen und das sogenannte Team Teaching nicht helfen, aber auch nicht schaden. Wenig helfen auch die Reduktion der Klassengröße, das individuelle Lernen, Störungspräventionen und Lehrerfortbildungen. Deutlich mehr helfen hingegen Angstreduktion, kooperatives Lernen, ein hohes Selbstvertrauen und die Aufstellung herausfordernder Ziele. Richtig viel, so Endres, helfen regelmäßige Test mit Feedback, eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung, ein wechselseitiges Feedback und klare Instruktionen. Ein gutes Schulklima künstlich erzeugen, das ginge nicht. Aber ein Klima schützen, das ginge, sagte der erfahrene Pädagoge seinen Kollegen. Ein guter Lehrer müsse das Lernen durch die Augen seiner Schüler sehen.

Untersuchungen über inklusiven Unterricht präsentierte Dr. Annette Textor im zweiten Hauptvortrag. „Die Bereitschaft zur Inklusion muss bei allen Beteiligten vorhanden sein, sonst machen die besten Vorgaben keinen Sinn“, betonte die Professorin für Empirische Schulforschung an der Universität Biefelfed. Textor leitet dort die „Wissenschaftliche Einrichtung Laborschule“, die zusammen mit einer Versuchsschule neue Lernziele, Unterrichtsinhalte, Lehrverfahren, Lernvorgänge, Verfahren der Leistungsentwicklung und – beurteilung entwickelt. Gegen die Einführung der Inklusion gebe es auch seitens der Lehrkräfte viele Widerstände, räumte sie ein. In ihren Augen sei die Inklusion ein ähnlich gravierender Eingriff in das Schulsystem wie die Einführung der Koedukation (= gemeinsame Beschulung von Jungen und Mädchen) in den 1950er und 1960er Jahren. „Es muss sich gesellschaftlich was ändern, damit Inklusion funktionieren kann. Ich baue dabei auch auf die Kirchen“, sagte sie. „Die Schule kann nicht gegen die Gesellschaft arbeiten“.

Ludger Heuer/ Pressestelle Bischöflich Münstersches Offizialat