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10. Februar 2017

Selbstbewusstere Mädchen?

Mädchenschulen wie ULF-Vechta bieten viele Chancen

 

In der gut sortierten Bibliothek der Vechtaer Liebfrauenschule stehen mehr Pferdebücher als in anderen Schulen. Das hindert das Mädchengymnasium aber nicht daran, zahlreiche naturwissenschaftliche Preise zu gewinnen.

Chemieschülerinnen im Unterricht

v. r. Die 7.-Klässlerinnen Aylin, Carolin und Sophie dampfen mit ihrer Chemielehrerin Heike Fischer. selbstgemachte Tinte ein.

Doch sind Mädchenschulen nicht überholt und ein Relikt der Vergangenheit? Hoch ist er nicht, der Anteil von Mädchenschulen in Deutschland. Rund 33.500 allgemeinbildende Schulen gibt es, etwa 150 von ihnen sind reine Mädchenschulen - nicht einmal 0,5 Prozent.

Diese meist katholischen Privatschulen haben oft den Ruf, überholt und altbacken zu sein. Das weiß auch Johannes Funken, Direktor der katholischen Liebfrauenschule, eine der nur drei Mädchenschulen in Niedersachsen: „Mit diesem Ruf hat man leider häufiger zu kämpfen“, meint er. Der Ruf ist das eine, die Realität etwas anderes. „Im Grunde genommen ist eine reine Mädchenschule etwas sehr Modernes.“ Seine Behauptung kann Funken belegen.

Die Liebfrauenschule in Trägerschaft der kirchlichen Schulstiftung St. Benedikt ist eine der führenden naturwissenschaftlichen Schulen im Bundesland. Regelmäßig und erfolgreich nimmt sie an Landes- und Bundeswettbewerben teil. Am Schulwettbewerb „Das ist Chemie“ machen jährlich bis zu einhundert seiner Schülerinnen mit, oft mit ausgezeichneten Ergebnissen. An anderen Chemiewettbewerben nehmen ganze Klassen teil. Viele preisgekrönte Arbeiten sind dabei entstanden. Dass reine Mädchenschulen etwas Modernes sind, da würde auch die Augsburger Jugendforscherin Leonie Herwartz-Emden zustimmen. Sie glaubt, dass gemischtgeschlechtliche Erziehung, die lange Zeit als Fortschritt „verkauft“ wurde, nur eingeschränkt emanzipativ und modern sei.

Ihr Fazit: Mädchen, die Mädchenschulen besucht haben, sind gegenüber Geschlechtsgenossinnen aus gemischten Schulen im Vorteil. Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich. Solche Mädchen würden seltener das typische Jungsfach Physik als „unbeliebtestes Fach“ bewerten, während dies in koedukativen Klassen jedes dritte Mädchen tut. Eine OECD-Studie zeigt, dass Mädchen nur wenig Selbstbewusstsein in naturwissenschaftlichen Fächern haben. Der PISA-Vergleichstest ergab, dass 15-jährige Jungen deutlich mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, auch wenn sie formal auf dem gleichen Bildungsstand sind. Gefragt, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworten Jungen häufiger mit „Ja“ als Mädchen. Die wiederum halten sich viel häufiger für „nicht gut in Mathe“, selbst wenn sie im PISA-Test genauso erfolgreich abschneiden wie die Jungen. Ein weiteres Ergebnis der OECD-Studie: Deutschland gehört zu den Ländern mit dem größten Geschlechtergefälle. Nur vier von hundert Mädchen können sich vorstellen, später in Ingenieur- oder Computerwissenschaften zu arbeiten. An einer reinen Mädchenschule wie der Liebfrauenschule müssen die Mädchen von allein Zutrauen in ihre naturwissenschaftlichen

Fähigkeiten haben. „An einer Mädchenschule gibt es das nicht, dass die Jungs in Chemie die Experimente machen und die Mädchen das Protokoll schreiben“, sagt Funken. Jedes Jahr gibt es an der Liebfrauenschule Leistungskurse in Mathematik und anderen naturwissenschaftlichen Fächern. Neulich war Funken in den fünften Klassen und hat den Schülerinnen ein paar Fragen gestellt. Unter anderem: „Was gefällt dir an der Schule?“ Neben Antworten wie „Nette Lehrer“ oder „Die guten Freundinnen“ kam dabei sehr häufig folgende kurze und klare Antwort: „Keine Jungs.“

Daniel Gerber, Pressemitteilung des Bischöflich Münsterschen Offizialates